Standortmanagement

Freuen sich mit Alois Bauer (Mitte) über die gelungene Innovation "Steinbock HX1": vlnr. Harald Gohm, LRin Patrizia Zoller-Frischauf, SC Michael Losch und Harald Pechlaner.

Medieninformation: Mit Netzwerken auf Zukunftskurs

29.11.2011
9. Tiroler Innovationstag verordnet Standort Beziehungsmanagement und Betrieben Mut zum Risiko. Weltneuheit: Netzwerker Mattro Mobility Revolutions präsentiert Prototyp einer Fahrzeuginnovation für das Hochgebirge.

Das 'Dorf Tirol' muss den globalen Wettbewerb meistern. Geht es nach anerkannten Experten, finden der Standort und seine Unternehmen die besten Instrumente dazu in sich selbst. Integriertes Standortmanagement, noch stärkere Nutzung der Clusternetzwerke und Mut zum Risiko verordnen Harald Pechlaner, Reinhold Messner, Jiri Scherer und Co beim 9. Tiroler Innovationstag. „Bis dato beste Arbeit“ bestätigen den Tirolern eine europaweite Benchmarking-Analyse, der enthüllte Prototyp eines hybridbetriebenen Material- und Personentransporters für das Hochgebirge und noch mehr Innovationen, welche die Standortagentur Tirol mit dem Tiroler Cluster Award auszeichnet.

Standortmanagement: Tirol - quo vadis?
Moderne Standortentwicklung setzt nicht mehr auf die Durchführung regionalpolitischer Maßnahmen allein. Vielmehr steht die Schaffung von Rahmenbedingungen im Mittelpunkt, welche die Vernetzung regionaler Akteure fördern (1). Prof. Harald Pechlaner von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hat im Rahmen einer europäischen Benchmarking-Analyse mit zehn teilnehmenden Standorten – darunter die Technologieregion Karlsruhe oder der Schweizer Standort St. Gallen-Bodensee - soeben untersucht, wo Tirol beim sogenannten „Integrierten Standortmanagement“ steht. „Integriertes Standortmanagement verfolgt die Idee, die Erwartungen von drei wesentlichen Zielgruppen einer Region – Wirtschaft, Bevölkerung und Gäste – in die Entwicklung einzubinden. Denn bestimmte Faktoren - wie zum Beispiel Lebensqualität – sind längst für alle eine interessante Zielgröße“, erklärt dazu Prof. Pechlaner.

Zu den Ergebnissen für Tirol fasst er zusammen: „In Tirol sind sowohl der Forschungs- und Bildungsbereich als auch die Unternehmen über das Clustermanagement seitens Standortagentur ausgezeichnet in die Standortentwicklung sowie in die Vermarktung via Dachmarke integriert. Hier gilt Tirol als ein Vorreiter. Zentrale Herausforderungen kann Tirol meistern, wenn es dieses professionelle Beziehungsmanagement noch erweitert.“ Zum Beispiel können Tirol und seine Unternehmen nach Pechlaner künftig so punkten: „Eine Chance liegt in der Interdisziplinarität. Die Entwicklung einer Gesundheitsdestination Tirol könnte zum Beispiel dazu beitragen, den heimischen Tourismus ganzjährig auszulasten. Das wäre ein wichtiger Schritt, um teilweise starke, regionale Disparitäten abzubauen. Bereits erste Konzepte müssten freilich integriert erstellt werden. Und für die Realisierung braucht es eine stabile ‚Vernetzungs-Instanz‘, die Ressourcen bündelt, Projekte koordiniert und als Plattform für den laufenden Austausch fungiert.“

Cluster: Austausch und Innovationen am laufenden Band
Dass Tirol in Sachen Vernetzung bereits Benchmarks für Europa liefert, liegt an der Clusterpolitik, die Land und Bund mit Hilfe der europäischen Union seit mehreren Jahren konsequent verfolgen. Denn je komplexer die Weltwirtschaft, desto mehr profitieren Unternehmen lokal: sofern sie sich vernetzen, Wissen teilen und so ihre Kraft potenzieren. „Der Standort Tirol und die Tiroler Betriebe entwickeln sich sehr dynamisch. Wichtiger Grund dafür ist die konzentrierte Stärkung von Branchen in Clustern. Alle sechs heimischen Cluster, die mittlerweile über 500 aktive Mitglieder zählen, ermöglichen unseren Betrieben und Forschungseinrichtungen Austausch am laufenden Band und damit Innovationen am laufenden Band“, nimmt Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf beim 9. Tiroler Innovationstag zur heimischen Clusterpolitik Stellung.

„Innovationskompetenz ist ein Schlüsselfaktor für die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft. Und Tirol hat eine beeindruckende Innovationskompetenz dank hoher Dichte an Clustern und Kompetenzzentren sehr rasch aufgebaut“, bestätigt Dr. Michael Losch, Sektionschef Center 1 im Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend. „Im Einklang mit den Tiroler Innovationsschwerpunkten sind Cluster auch aus nationaler Sicht eine wichtige Plattform zum Umsetzen von Ideen, Kooperationen und Projekten. Mit dem Förderprogramm COMET der FFG sowie den Christian Doppler Labors unterstützt das BMWFJ die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und leistet damit auch seitens des Bundes einen Beitrag zur Entstehung und Weiterentwicklung innovationsorientierter Kompetenzzentren."

Im Netzwerk hoch hinaus: Prototyp des Geländetransporters „Steinbock HX1“ feiert Weltpremiere
Ausgewählte Innovationen, die heimische Clusterbetriebe mit Hilfe von Kooperationen auf den Markt bringen, sind am Tiroler Innovationstag ausgestellt. DI (FH) Alois Bauer sorgt dabei mit einer Weltpremiere für Aufsehen. Erstmals präsentiert er den Prototyp des „Steinbock HX1“. Der „Steinbock HX1“ ist ein neuartiger Geländetransporter für das Hochgebirge. Weil er sowohl mit Rädern als auch mit Raupen gefahren werden kann, ist er ganzjährig einsetzbar. „Dank eines innovativen Hybridantriebes mit vier elektrischen Radnabenmotoren bietet der Steinbock HX1 gleichzeitig beste Traktion und viel Platz im Fahrzeuginneren. Auch Personen- und Krankentransporte können mit ihm vorgenommen werden“, berichtet Alois Bauer, der mit Mattro Mobility Revolutions Mitglied im Cluster Mechatronik Tirol ist.

Die Arbeit von Bauer gilt als Best Practice für Innovationsleistung durch Vernetzung: Nach Integration in das Gründernetzwerk adventure X und den Cluster Mechatronik Tirol hat Alois Bauer im Rahmen eines aus Landesmitteln geförderten Initiativprojektes sogar ein europäisches Konsortium für die Entwicklung des „Steinbock HX1“ zusammen gestellt. Acht spezialisierte Partner für ein Forschungsprojekt im europäischen Programm ERA-SME fand er schließlich in Österreich, Deutschland, Belgien und Slowenien. Die Europäische Union beteiligte Mitgliedsstaaten und Partner brachten gemeinsam 1,3 Millionen Euro in das Projekt ein. Bis Ende April läuft das EU-Projekt noch. In diesem Zeitraum sind umfangreiche Testreihen am Prüfstand und unter realen Bedingungen geplant. Ein Tiroler Industriepartner soll den neuartigen Hybrid-Geländetransporter ab Ende 2012 in Serie fertigen. Im selben Winter sollen die ersten „Steinböcke“ ausgeliefert werden.

„Echte Innovationen im technischen Bereich kann ein Klein- oder Mittelbetrieb heute nicht mehr im Alleingang entwickeln und bis auf den Markt bringen. An irgendeinem Punkt – das kann beim technischen Vorsprung, beim Design, bei der Finanzierung oder anderem sein – braucht es immer einen oder mehrere Partner, um ans Ziel zu kommen“, ist Alois Bauer überzeugt. „Ich habe gelernt: durch regelmäßigen Austausch in einem Netzwerk entsteht Vertrauen zwischen Partnern, das schließlich Kooperation ermöglicht. Wer in ein Projekt Arbeit oder Wissen wie einbringt und wie Ergebnisse passend geteilt werden, wird dann vom Start weg vereinbart“, weiß Bauer, wie Kooperation gelingt.

Standortagentur unterstützt Projekte. Messner und Scherer mit „einem neuen Denkansatz für jeden Teilnehmer“
Vernetzung zur Innovation braucht Plattformen wie den 9. Tiroler Innovationstag. In zahlreichen Gesprächen sollen neues Staunen über die heimische Expertise, noch nicht gedachte Ideen und die Basis für neue Projekte entstehen. Projekte, für deren Umsetzung Wirtschaft, Wissenschaft und heimische Regionen die Services des Veranstalters Standortagentur Tirol nützen können. „Wir integrieren alle, die sich in Themen und Projekte der Standortentwicklung frühzeitig einbringen wollen oder Partnerschaften strukturiert entwickeln möchten. Im Innovationsumfeld sind Ideenbewertung, Partnersuche in Tirol und ganz Europa oder Identifikation geeigneter Förderungen beispielhafte Services“, informiert Standortagentur-Geschäftsführer Dr. Harald Gohm. „Vor der Vernetzung braucht Innovation noch Einstellungen, Techniken und Inspiration. Mit den Referenten Jiri Scherer und Reinhold Messner bin ich überzeugt: jeder einzelne Teilnehmer, der heute nach Hause geht, hat zumindest eine neue Idee oder einen neuen Denkansatz im Kopf, die oder den er verfolgen will, um seiner Konkurrenz den berühmten Schritt vorauszueilen“, verspricht Gohm.

Zu denken gibt Referent Jiri Scherer von der Schweizer denkmotor GmbH während seines Vortrages zum 9. Tiroler Innovationstag dann unter anderem auch mit folgendem Hinweis: „Nur wer das Risiko zu scheitern in Kauf nimmt, kann wirklich kreativ sein. Neue Ideen entstehen erst dann, wenn wir vertrautes Gewässer verlassen und eine abenteuerliche Reise ohne sicheren Ausgang zulassen. Wer nichts falsch macht, macht aller Wahrscheinlichkeit nach auch nichts Neues“, so Scherer.

Ausgewählte Tiroler Unternehmen, die Risiko bereits erlaubt, ihre Ideen gezielt verfolgt und zu Innovationen für den Markt gemacht haben, ernten beim Innovationstag Anerkennung. Ab 18.30 Uhr hat die Standortagentur Tirol im Kristallfoyer des Congress Innsbruck die besten Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse aus den heimischen Clustern mit dem dritten Tiroler Cluster Award ausgezeichnet. Die Sieger heißen AmiSTec (Life Sciences), M-Pulso (IT), Meco Erdwärme (Erneuerbare Energien) und Micado CAD Solutions (Mechatronik).

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(1) Vgl. Bachinger, Pechlaner in Bachinger, Monika/Pechlaner, Harald/Widuckel, Werner - Regionen und Netzwerke; Kooperationsmodelle zur branchenübergreifenden Kompetenzentwicklung, Wiesbaden: Gabler Verlag, 2011
Standortagentur

 

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