Technologie

Normalerweise stellt Digitalisierung Vernetzung her, aktuell kann sie auch für Distanz sorgen. Foto: iStock.

Abstand durch Daten

14.05.2020
Können Corona-Apps und Co. helfen, die Pandemie besiegen?

Gestartet in China, über Indien, Singapur und Russland, bis nach Tschechien, Deutschland und auch Österreich – sogenannte Contact Tracing Apps oder auch Anti-Corona-Tracking-Apps sollen Ansteckungsketten unterbrechen und Leben retten. Auch große Player wie Google und Facebook mischen mit, um durch die Analysen von Daten digitale Voraussagen zu treffen. Wie diese Funktionen jedoch technisch umgesetzt werden und wie innovativ „Corona-Technik“ wirklich ist, wird sich erst zeigen.

PEPP-PT: Daten als Grundlage für Corona-Apps
Contact Tracing Apps haben viele Funktionen. Sie informieren Bürger, erleichtern die medizinische Betreuung bei Symptomen, warnen vor infizierten Personen, helfen bei der Durchsetzung von Quarantäne und unterbrechen Ansteckungsketten. Und sie alle basieren auf einer Technik: PEPP-PT. Pan European Privacy-Protecting Proximity Tracing ist ein System, das im Zusammenschluss europäischer WissenschaftlerInnen entwickelt wurde. Die neue Technologie hilft, Smartphone-Kontakte zu infizierten Personen zu erfassen. Im Unterschied zu einem herkömmlichen Tracking-Verfahren, das zumeist mit Funkzellendaten, GPS oder WLAN-Standortbestimmung operiert, bedient sich das Proximity-Tracing der Bluetooth-Technik. Dabei wird nicht das Tracking einzelner Personen verfolgt, ganz im Gegenteil stehen Privatsphäre, Freiwilligkeit und Datenschutz an oberster Stelle.

Kontaktaufnahme via ID und Warnung per Puch Notification
Hat man die Applikation installiert und das Bluetooth aktiviert, generiert und sendet das eigene Smartphone regelmäßig eine temporäre ID. Gleichzeitig sucht die App ID-Signale anderer Nutzer in der Umgebung. Befinden sich zwei Anwender in Reichweite zu einander, tauschen sie ihre Zahlencodes aus. Ein Algorithmus prüft dann, ob Dauer und Länge des Kontakts für eine potentielle Infektion ausreichen – meist rechnet man mit einer Begegnung von 15 Minuten unter weniger als zwei Metern Entfernung. Ist das der Fall, so speichert das Smartphone verschlüsselt und lokal diesen Kontakt. Erkrankt nun einer der beiden Nutzer am Virus, leitet das Smartphone nachträglich und anonymisiert die IDs der Kontakte, die während der Inkubationszeit entstanden sind, weiter. Die App warnt nun die betroffenen Personen per Push Notification und rät zur präventiven Quarantäne. Dabei erfolgt keine Informationsübermittlung, durch welche Person, wo oder wann genau eine Infektion stattgefunden haben könnte.

So arbeitet die "Stopp Corona"-App in Österreich
Das Österreichische Rote Kreuz veröffentlichte die Coronavirus-Tracking-App „Stopp Corona“. Auch sie richtet sich an alle Menschen ab 14, die ihre Begegnungen mit anderen Kontakten dokumentieren wollen, um so dazu beizutragen, Infektionsketten schneller zu durchbrechen. Die „Stopp Corona"-App nutzt ebenso die Bluetooth-Funktion eines Smartphones, um weitere Geräte in der Nähe zu orten und sie miteinander zu vernetzen. Dies wird mithilfe von P2P-Kit technisch umgesetzt. Das Bluetooth führt dabei kein Pairing mit anderen Geräten durch, sondern listet kurzfristig ihre ID auf. Auch eine Berechtigung zur Nutzung des Mikrofons ist bei dieser Applikation bedeutend. Die Funktion ermittelt räumliche Distanzen zwischen potenziellen „Handshakepartnern“, indem das Smartphone für Menschen nicht hörbare Ultraschalltöne aussendet, die vom Mikrofon des anderen Nutzers in der Nähe registriert werden. Als technische Grundlage dient Google-Nearby. Auch hier werden keine personenbezogenen Daten gespeichert oder weitergegeben. Mittels eines digitalen Kontakttagebuch werden Begegnungen mit anderen Personen durch einen „digitalen Handschlag“ dokumentiert, sobald eine Kontaktüberschreitung erreicht wurde. Diese Funktion kann sowohl manuell als auch automatisch erfolgen.

Facebook prognostiziert mit Daten Ausbreitung von COVID-19
Das soziale Netzwerk Facebook hilft Forschern mit gesammelten Daten seiner User im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Diese sollen zukünftig bei Vorhersagen weiterer Ausbreitungen behilflich sein. Die sogenannten „Co-location Maps“ geben Auskunft über den Personenverkehr in einer Region und liefern Prognosen, wohin sich eine Krankheit mit großer Wahrscheinlichkeit als nächstes ausbreitet. „Movement Range Trends“ – so nennt Facebook die Analyse der Bewegungsprofile der User – überprüfen, ob die Bevölkerung sich an Ausgangsbeschränkungen und Maßnahmen hält. Solche Analysen wurden auch bereits in Österreich, durch anonymisierte Daten des Mobilfunkanbieters A1, durchgeführt. Eine wichtige Rolle spielt auch der „Social Connectedness Index“. Dieser informiert über die Anzahl an Facebook-Freundschaften zwischen verschiedenen Regionen. Je mehr, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich die Krankheit von einem Gebiet in ein anderes ausbreitet.

Google-Daten verzeichnen Rückgang der Mobilität
Unter dem Namen „Community Mobility Reports“ veröffentlichte der US-Internetkonzern Google neue Analysen, die zeigen, wie sich die Bekämpfung des Coronavirus auf die Mobilität der Menschen auswirkt. Die Auswertungen basieren auf anonymisierten Bewegungsdaten von insgesamt 131 Ländern, die über Smartphones gesammelt werden. Dabei werden ausschließlich anonymisierte Daten jener verwendet, die auf Android-, Google- oder iOS-Devices ihren Standortverlauf aktiviert haben. Jeder Community Mobility Report ist online einsehbar, nach Standorten unterteilt und zeigt die Änderung der Besuche in Orten wie Lebensmittelgeschäften und Parks an. Für Österreich ist wie erwartet ein deutlicher Rückgang der Mobilität – beruflich wie privat – zu sehen.

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