Kapital

Friedrich Baldinger (SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement mbH) und Klaus Grössinger (Standortagentur Tirol), v.l.

Standortagentur Tirol und Investor SHS kooperieren erfolgreich

02.05.2020
Die Standortagentur Tirol und der Medizintechnik- und Life-Science-Investor SHS kooperieren erfolgreich: Mit den Investorennetzwerk Tirol bringt die Standortagentur Tirol Unternehmen und Start-ups mit den passenden Investoren zusammen. Wie das in der Praxis funktionieren kann, darüber sprachen wir mit Mag. Klaus Grössinger vom Investorennetzwerk der Standortagentur Tirol und Friedrich Baldinger von der SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement mbH, einem Medizintechnik- und Life-Science-Investor aus Tübingen.

Standortagentur Tirol: Im Rahmen einer Kapitalerhöhung hat sich die SHS im November 2019 an dem Kufsteiner Unternehmen Single Use Support GmbH (SUS) beteiligt. Wie kam es zu dieser Beteiligung, an der die Standortagentur Tirol federführend mitgewirkt hat?

Grössinger: Die SUS ist ein sehr interessantes, erfolgreiches Unternehmen, das Anlagen und Verbrauchsartikel für Flüssigkeitslogistikprozesse herstellt. Die Single-Use-Bags werden unter anderem zum Transport von hochwertigen Medikamenten und Substanzen in der Pharma- und Biotechindustrie verwendet. Das Unternehmen wurde 2015 gegründet, hat seinen Umsatz jährlich verdoppelt und hat das Potential, Weltmarktführer in einem stark wachsenden Markt zu werden. Diese Expansion braucht Kapital, vor allem, wenn man in den USA erfolgreich sein will. Wir haben für das Unternehmen den Kontakt zur SHS und anderen Investoren hergestellt. Die SHS hat sich letzten Endes aufgrund ihres durchdachten Konzeptes, ihrer fachlichen Expertise und ihrer jahrzehntelangen Branchenerfahrung durchgesetzt.

Standortagentur Tirol: Herr Baldinger, warum fiel aus Ihrer Sicht die Wahl auf die SHS und nicht auf einen globalen Investor aus, sagen wir, den USA? Was macht die SHS Ihrer Meinung anders?

Baldinger: Wir investieren seit fast 30 Jahren als Beteiligungsunternehmen und Venture-Capital-Geber in eingeführte mittelständische Unternehmen und Start-ups der Medizintechnik und Life-Science-Branche. In dieser Zeit ist bei uns ein großes technisches Branchenwissen rund um die Medizintechnik angewachsen. In unserem Unternehmen arbeiten Betriebswirte neben Naturwissenschaftlern in interdisziplinären Teams. Wir wissen, welchen Herausforderungen sich Medtech-Unternehmen heute stellen müssen: internationales Wachstum, Produktneuentwicklung, gesetzliche Regulierungen, Nachfolgeregelung in mittelständischen Unternehmen. Ich glaube, das technische Wissen und damit die Fähigkeit, unsere häufig mittelständischen Kunden beratend zu begleiten, unterscheiden uns von einem reinen Finanzinvestor, der primär an seiner schnellen Rendite interessiert ist.

Standortagentur Tirol: Wie unterstützt die Standortagentur Tirol Medtech- und Life-Science-Unternehmen bei der Finanzierung? Welche finanziellen Hürden tun sich da für Mittelständler wie für Start-ups gleichermaßen auf?

Grössinger: Unsere Erfahrung ist die, dass Unternehmerinnen und Unternehmer, die für die Entwicklung ihres Produktes „brennen“, nicht selten zu spät mit der Planung des Kapitalbedarfs und der Kapitalsuche beginnen. Ich will damit sagen, der Fokus ihrer Arbeit liegt auf der Produktentwicklung. Das ist nachvollziehbar. Und wenn es wirtschaftlich gut läuft, denkt man vielleicht nicht unbedingt an den Kapitalbedarf der nächsten Jahre. Dazu kommt, dass die heimischen Banken aufgrund der geänderten Regeln der EU nicht mehr jeden Finanzierungsbedarf abdecken. Was die finanzielle Unterstützung angeht, sind österreichische Unternehmen von ihren Banken in der Vergangenheit stark unterstützt worden. Hier hat sich der Wind gedreht. Deshalb helfen wir unseren Unternehmen bei der Suche und Auswahl geeigneter Investoren und unterstützen damit die sehr dynamische österreichische Wachstumsbranche Medizintechnik. Ein branchenerfahrener Investor wie die SHS, der seit vielen Jahren international einen äußerst soliden Ruf genießt, ist uns natürlich als Partner willkommen.

Standortagentur Tirol: Wie vorausschauend sollte die Kapitalplanung sein?

Baldinger: Gerade in technisch anspruchsvollen Branchen wie der Medizintechnik, wo Produktentwicklung, rechtliche Zulassung und internationales Wachstum sehr kapitalintensiv sind, sollte der Finanzierungsbedarf langfristig geplant werden, also mindestens für die nächsten zwei bis drei Jahre inklusive einer Reserve. Wir legen großen Wert auf die langfristige, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Unternehmen, in die wir investieren. Im Fall der Single Use Support GmbH aus Kufstein funktioniert dies hervorragend. Da passt alles: ein außergewöhnliches Produkt mit klarem Alleinstellungsmerkmal, eine hoch kompetente Geschäftsführung mit einer klaren Strategie, dazu mit der Standortagentur Tirol ein weitsichtiger Dienstleister.

Standortagentur Tirol: Sehen Sie, Herr Baldinger, die Medizintechnik weiterhin als dynamisches Wachstumsfeld? Es gab ja zuletzt gerade in Deutschland ein leicht nachlassendes Wachstum?

Baldinger: Der Medizintechnik- und Life-Science-Sektor ist das Gebiet, auf dem wir uns auskennen, und wo wir mit fast 30 Jahren Erfahrung punkten können. Wir sehen hier noch viel Potenzial. Es ist keine Übertreibung, wenn ich als Österreicher sage, dass die österreichische Medizintechnik äußerst innovativ ist. Es gibt bei uns hochdynamische Cluster und eine sehr gute Forschungsförderung, interessante Start-ups, aber auch viele eingeführte mittelständische Unternehmen mit attraktiven Produkten und guten Wachstumsaussichten. Für diese Unternehmen können wir ein fachlich versierter Partner sein, sei es zur Finanzierung von Wachstum und Produktentwicklung, aber auch bei einer langfristig geplanten Nachfolgeregelung. Wir bieten hier adaptierte Beteiligungsmöglichkeiten, auch Minderheitsbeteiligungen.

Standortagentur Tirol: Welche Unternehmen sind für die SHS interessant?

Baldinger: Wir suchen und beteiligen uns an Unternehmen, die marktreife Produkte mit Alleinstellungscharakter haben, die Wachstum anstreben und in neue Märkte vordringen wollen. Die Single Use Support GmbH und die Tyromotion GmbH aus Graz sind zwei gute Beispiele. Bei der Tyromotion GmbH investierte die SHS mit Beteiligung der aws im Rahmen der Venture Capital Initiative. Neben der fachlichen Expertise in den Unternehmen kommt es uns aber auch auf die menschliche Komponente an, die Chemie zwischen den handelnden Personen muss stimmen. Ohne Vertrauen geht es nicht. Eine besonders große Rolle spielt das persönliche Vertrauen bei einer Beteiligung im Rahmen einer Nachfolgeregelung.

Grössinger: Das kann ich von Seiten der Standortagentur Tirol nur unterstreichen. Das faire Miteinander auf Augenhöhe hat den Beteiligungsprozess beim Single-Use-Projekt befeuert. Wir sind zuversichtlich, dass die Single Use Support GmbH mit Hilfe der SHS einen großen Schritt in Richtung Wachstum und Marktführerschaft machen wird.

Standortagentur Tirol: Danke für das Gespräch.

Weitere Infos zum Investorennetzwerk der Standortagentur Tirol finden Sie unter www.standort-tirol.at/investorennetzwerk.

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