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Technologie

Regionale Zukunft gestalten - Digitalisierung als Chance für Gemeinden

19.08.2021
Das INTERREG-Projekt Smart Villages bereitet Gemeinden in ländlichen Räumen darauf vor, die Chancen der Digitalisierung zu erkennen und zu ihrem Vorteil zu nutzen. Dabei wird ein partizipativer Ansatz verfolgt. Das Konzept wurde jetzt erstmals im Pitztal getestet.

Durch verbesserte digitale Infrastruktur und neue Möglichkeiten zur Vernetzung entstehen Potenziale – diese gilt es besonders für Gemeinden und ländliche Regionen zu nutzen. Neben technischen Innovationen und ressourcenschoneden nachhaltigen Ansätzen liegt der Fokus auf der aktiven Einbindung der lokalen Bevölkerung.

Digitalisierung hilft, Innovationen voranzutreiben und den Standort Tirol somit nachhaltig zu stärken. Dabei ist es wichtig, neue Technologien an die spezifischen lokalen Herausforderungen, insbesondere im alpinen Raum, anzupassen. Mit ‚Smart Villages‘ konnten wir dies gemeinsam mit den Gemeinden und der GemNova erfolgreich testen und umsetzen.
 

Marcus Hofer, Standortagentur Tirol

Was sind Smart Villages?
Smart-Village-Initiativen werden durch Mitgestaltungsprozesse in Gemeinden und ländlichen Regionen entwickelt und bauen auf bestehenden lokalen Stärken auf. Sie beruhen immer auf einem partizipativen Ansatz, der die verschiedenen Interessengruppen innerhalb der Gemeinde berücksichtigt. Dies stellt sicher, dass erarbeitete Strategien
oder Werkzeuge an die Bedürfnisse der Einwohner*innen angepasst sind, und erhöht die Akzeptanz und damit die Annahme der neuen „smarten“ Lösungen. Das Ergebnis verbessert die Qualität bestehender und neuer Dienstleistungen mittels digitaler Technologien, Innovationen und einer besseren Nutzung von Wissen. Sie tragen zu einer Aufwertung der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Bedingungen bei und erhöhen die Lebensqualität der örtlichen
Bevölkerung.

Das Pitztal als Pilotregion
In einem ersten Schritt war es wichtig, ein gemeinsames Verständnis für Digitalisierung im ländlichen Raum zu generieren. Dazu wurden Expert*innen aus unterschiedlichen Bereichen eingeladen, das Themenfeld mit Gemeindevertreter*innen zu diskutieren. Gemeinsam mit den vier Gemeinden Arzl, Wenns, Jerzens und St. Leonhard sowie regionalen Stakeholdern wurden relevante Herausforderungen definiert. Infolgedessen sind mehrere Projekte entstanden und wurden umgesetzt. Im Bereich der Mobilität wurden mit einer App eines Tiroler Start-ups Anreize für die Nutzung einer digitale Mitfahrbörse gesetzt. Für Hoteliers und Vermieter*innen gab es eigene Workshops, bei denen Stärken und Schwächen der Digitalisierung für Tourismusbetriebe identifiziert sowie Unterstützungsmöglichkeiten zum Thema KMU digital aufgezeigt wurden.

Durch das Projekt Smart Villages haben wir Bürgermeister des Pitztals gesehen, wie vielfältig die Digitalisierungsmöglichkeiten in den Gemeinden sind. Wir haben gezielt Arbeitsgruppen gebildet, damit die Ideen zu Bürgerservices, Infrastruktur und digitales Amt in konkrete Projekte überführt werden können.“

Elmar Haid, Bürgermeister St. Leonhard im Pitztal

Parallel dazu wurde in einem Strategieprozess ein gemeinsames digitales Leitbild für die Region erarbeitet. Dieses beinhaltet verschiedene Szenarien mit jeweils eigenen Leitsätzen und Projekten. Die Ergebnisse wurden durch Einzelinterviews erhoben und in gemeinsamen Workshops bearbeitet. Anschließend hat die GemNova diese Ergebnisse zum Leitbild nochmals auf Gemeindeebene konkretisiert. Gemeinsam mit den Bürgermeistern und IT-Verantwortlichen der Gemeinden wurden konkrete Maßnahmenpakete geschnürt, die in drei Arbeitsgruppen zu den Themen Infrastruktur, digitales Amt und Bürgerservices umgesetzt werden.

Die Gemeinden vom Pitztal arbeiten bereits über den Planungsverband Pitztal eng zusammen. Digitale Projekte eröffnen eine vertiefte und sinnstiftende Zusammenarbeit für die Talgemeinschaft mit Nutzen für die Bürger*innen.
 

Michael Kirchmair, GemNova

Über das Projekt
Von 2018 bis 2021 wurde das Konzept „Smart Villages“ in den Bereichen Mobilität, Governance, Wirtschaft, Umwelt und Lebensqualität in elf ausgewählten alpinen Pilotregionen in ganz Europa getestet. Das Projekt wird im Rahmen des INTERREG-Alpenraumprogrammes der EU gefördert.

In Tirol sind die Projektpartner GemNova und die Standortagentur Tirol gemeinsam für die Umsetzung verantwortlich. Durch die Zusammenarbeit konnte wertvolles Know-how gebündelt und Synergien genutzt werden. Das Konzept der Smart Villages wurde dabei an den alpinen Kontext angepasst, und es wurden gemeinsame übertragbare Instrumente und politische Empfehlungen entwickelt. Es gibt ein starkes Engagement innerhalb der EUSALP, die Arbeit am Thema Smart Villages fortzusetzen und das Konzept auch für andere Regionen individuell anzuwenden. So kann das digitale Know-how künftig auch weiteren Gemeinden zugänglich gemacht, Zukunftschancen identifiziert und Potenziale genutzt werden.

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