Bildnachweis: Standortagentur Tirol

Nachhaltigkeit

Im Rahmen ihres Aufenthaltes besuchten die Teilnehmer:innen des CHEERS4EU Study Visit auch die Montanwerke Brixlegg.

CHEERS4EU Study Visit in Tirol: Praxisnahe Einblicke in die Kreislaufwirtschaft

24.02.2026
Tag zwei und drei des CHEERS4EU Study Visits in Tirol standen ganz im Zeichen konkreter Anwendungsbeispiele der Kreislaufwirtschaft in Wirtschaft und Forschung. 35 Expert:innen aus allen sieben Partnerregionen kamen erneut zusammen, um erfolgreiche Modelle zirkulärer Wertschöpfung kennenzulernen und sich darüber auszutauschen.

Austragungsort des Vormittags war das Büro der Standortagentur Tirol in Innsbruck. Nach der Begrüßung durch Geschäftsführer Marcus Hofer stellte Martin Traxl vom Land Tirol zentrale Aspekte der Tiroler Nachhaltigkeits- und Klimastrategie vor. Mariella Schimatzek vom Circular Hub Tirol ging auf dessen Rolle als regionale Drehscheibe für Innovation und Zusammenarbeit im Bereich der Kreislaufwirtschaft ein.

Praxisbeispiele aus Bauwirtschaft und Bioökonomie

Ein erster fachlicher Impuls kam von Steinbacher Dämmstoffe GmbH, einem traditionsreichen Tiroler Familienunternehmen, das innovative Dämmstofflösungen entwickelt und aktiv an einem österreichweiten Rücknahmesystem für EPS-Dämmstoffe mitwirkt. Maximilian Steinbacher zeigte, wie durch Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette geschlossene Materialkreisläufe entstehen können.

Anschließend präsentierte Valentine Troi vom Forschungsprojekt GrownLab Alpine Hemp der Universität Innsbruck neue Materialtechnologien auf Basis bioökonomischer Konzepte. Im Fokus standen die Nutzung landwirtschaftlicher Reststoffe sowie Kaskadennutzung, um fossile Rohstoffe zu ersetzen und gleichzeitig Bodenqualität und Biodiversität zu fördern.

Kreislaufwirtschaft in der industriellen Praxis

Am späten Vormittag führte der Study Visit zu INNIO Jenbacher. Dort erhielten die Teilnehmenden Einblick in das Remanufacturing-Programm des Unternehmens, das Motoren und Komponenten über mehrere Lebenszyklen hinweg wiederaufbereitet und so Ressourcenverbrauch und Emissionen deutlich reduziert.

Nach der Mittagspause folgte der Besuch bei Montanwerke Brixlegg AG, einem europaweit führenden Unternehmen im Upcycling von Kupfer aus Sekundärrohstoffen. Seit Jahrzehnten setzt der Betrieb ausschließlich auf recycelte Materialien und demonstriert damit, wie hochwertige Metalle nahezu verlustfrei im Kreislauf geführt werden können.

Den Abschluss bildete eine Exkursion zur Lackfabrik Adler. Das Familienunternehmen verfolgt eine umfassende Kreislaufwirtschaftsstrategie – von Cradle-to-Cradle-zertifizierten Produkten bis hin zu innovativen betrieblichen Maßnahmen wie der Wiederverwendung von Verpackungsmaterialien. Auch die enge Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Forschung wurde als zentraler Erfolgsfaktor hervorgehoben.

Der zweite Tag des Study Visits machte deutlich, wie vielfältig und praxisnah Kreislaufwirtschaft bereits heute umgesetzt wird – von der Bauwirtschaft über die Energie- und Metallindustrie bis hin zur chemischen und bioökonomischen Forschung. Gleichzeitig bot der intensive Austausch zwischen den europäischen Partnerregionen wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung von Circular Hubs und zukunftsorientierter Wirtschaftspolitik in Europa.

Transformation der Energie- und Rohstoffsysteme

Am dritten Tag führte der Study Visit die Delegation zu weiteren Vorzeigebetrieben und Innovationsprojekten in Tirol. Den Auftakt bildete die Präsentation des Living Labs INNERGY durch Johannes Steiger. Das von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) geförderte Reallabor verfolgt das Ziel, die Transformation der Wärmeversorgung in Tirol aktiv zu gestalten. Energieversorger, Unternehmen, Wissenschaft und Bürger:innen arbeiten dabei gemeinsam an innovativen Konzepten und Technologien für ein zu 100 Prozent erneuerbares Energiesystem im Wärmesektor. Neben der technischen Machbarkeit stehen insbesondere gesellschaftliche Akzeptanz sowie die praktische Umsetzung unter realen Bedingungen im Mittelpunkt.

Anschließend besuchten die Teilnehmenden die Tiroler Rohre GmbH in Hall in Tirol. Das Unternehmen verfügt über mehr als 70 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Produktion hochwertiger duktiler Gussrohrsysteme für Wassertransport und Tiefgründungen. Besonders eindrucksvoll war der konsequente Ressourceneinsatz: Die eingesetzten Rohstoffe bestehen zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial. Zudem werden Nebenprodukte wie Abwärme oder überschüssiger Strom aus der Photovoltaikanlage in öffentliche Netze eingespeist – ein Beispiel für industrielle Symbiose und regionale Kreislaufführung.

Den Abschluss des Study Visits bildete der Besuch bei Swarovski. Das 1895 gegründete Unternehmen steht weltweit für hochwertige Kristallprodukte, Schmuck und innovative Materialanwendungen. Im Rahmen der Führung erhielten die Teilnehmer:innen Einblicke in konkrete Maßnahmen zur Kreislaufwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Links

>>Bericht zu Tag 1 des CHEERS4EU Study Visit in Tirol
>>CHEERS4EU
>>Circular Hub Tirol
>>INNERGY

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