Hackathon Seefeld 2018

51 TeilnehmerInnen aus 9 Ländern in 10 Teams holten beim Hackathon Seefeld 2018 alles aus den verfügbaren Daten heraus - und aus sich selbst.

Vernetzt, smart, am Limit

30.04.2018
24 Stunden Non-Stop-Programmieren: das heißt alles herausholen. Aus den verfügbaren Daten und aus sich selbst.

Mittlerweile sind wieder alle fit. Der fehlende Schlaf wurde nachgeholt, frische Luft genossen und Sonne getankt. Der Kaffee- und Energy Drink-Konsum reduziert und das „reale“ Leben gelebt. Kurz: Die Spuren des 2. Hackathon in Seefeld sind verblasst. Jedoch nur die physischen. Denn der Output des Programmier-Wettbewerbs war beachtlich, den letzten Donnerstag und Freitag 51 Studierende, GründerInnen und UnternehmerInnen aus Pakistan, Italien, Deutschland, Österreich, Indien, China, USA, Indonesien und der Türkei ablieferten. Am Beginn saß noch jeder für sich alleine in Seefeld vor einem riesigen Berg an Daten: TVB- und Hotelwebsiten, Informationen über die Region sowie von Multimediaanbietern und dem TVB Seefeld. Die Mission: Ein klares Ziel formulieren, was aus diesen Daten gemacht werden kann, und Mitstreiter von dieser Idee überzeugen. Das Ziel: Gemeinsam mit diesem Team in 24 Stunden von der Idee möglichst nah zu Prototypen von Services, Produkten und Dienstleistungen aus dem Bereich eTourism zu kommen.

Simply let it happen
Prinzipiell standen den TeilnehmerInnen alle Möglichkeiten offen. Einen groben Orientierungsrahmen gaben die Veranstalter des 2. Hackathons, der TVB Seefeld, das in Innsbruck ansässige IT-Unternehmen Speed-U-Up und die Universität Innsbruck, vor: Die zur Verfügung gestellten Daten würden sich besonders für Entwicklungen in den Bereichen Data Quality, Social Media, Chatbot, Maps, Wiki und Voice Assistant eignen. Aber eben nicht nur. Darauf wiesen sinngemäß zum Auftakt des Hackathons auch Christian Klingler (Tiroler Werbung) und Andreas Lackner (TVB Mayrhofen) in ihren Eingangskeynotes hin. „Experiences sind das „Next big Thing“. Erlebnisse sind der Grund, warum Gäste in eine Region fahren. Also ist es notwendig diese Erlebnisse zu ‚designen‘, sie über Regionsplattformen und digitale Assistenten auffindbar und buchbar zu machen. Gerade weil es so extrem viele verschiedene Erlebnisse gibt, spielt Künstliche Intelligenz eine wesentliche Rolle, für den Gast das persönlich relevanteste Erlebnis vorzuschlagen und es möglichst einfach buchen zu können. Für Regionen und Anbieter ist es relevant, selbst vor Ort aktiv zu sein, über eine eigene lokale Vertriebsplattform zu verfügen, die Hoheit über ihren Content, Preis und Wertschöpfung zu haben und Vertriebsplattformen strategisch zu nutzen“, so die beiden. Daher deren Ansage an die Hacktahon-TeilnehmerInnen: „Designt Erlebnisse, macht Erlebnisse sichtbar, maschinenlesbar, buchbar und verteilt sie strategisch klug an externe Plattformen! Denkt dabei daran, dass Erlebnisse nicht nur Übernachtungsgäste buchen, sondern auch Einheimische angesprochen werden können und sollen.“ Kristian Hasenjäger (MCI) ergänzte aus technischer Sicht um den Tipp, global wirkenden Technologietrends wie Künstliche Intelligenz, durchgängige Digitalisierung und weitere dezentrale Vernetzung für eine regionale Tourismuswirtschaft zu nutzen und dabei existierende große Systeme für kleine regionale Systeme zu verwenden: „Someone will somehow combine small data using big services to inspire new business ideas supporting tourism“, so Hasenjäger.

Wer bremst, verliert
Und dann ging’s los. Ideen präsentieren, um Teammitglieder buhlen, und dann im Wirrwarr von bits und bytes und Nullen und Einsen einen roten Faden spinnen. Anfangs noch voller Elan und Tatendrang. Dann, kurz nach Mitternacht, der erste Durchhänger. Durchtauchen und weiter. Abwechselnd jede-/r im Team ein kurzes Powernapping. In der Früh ein verstohlener Blick auf die anderen Teams. Wie weit sind die eigentlich? Und Endspurt bis zur Deadline um 15.00 Uhr. Präsentation des eigenen Endergebnisses vor einer Jury. Denn die sollte aus den Ideen der letztlich zehn Teams die drei besten auswählen. Von Chatbots über Apps zu Alexa-Anwendungen war alles dabei. Aber wie schaut’s aus mit Innovationsgehalt, Umsetzbarkeit, Kundennutzen? Die Nase vorn hatten schließlich drei Studententeams. Das Team „Power Puff Girls“ aus Studierenden des MCI und der TU Graz holten sich mit ihrem Chatbot „Karl“, der Langläufern Infos zu den Seefelder Loipen, deren Zustand und Schwierigkeitsgrad sowie zu Wetter etc. bietet, den dritten Platz. Ein weiteres Team aus MCI-Studierenden mit dem klingenden Namen „Imagine Seefeld“ landete auf Platz 2. Deren Projekt: Eine App voll mit Infos zu Seefelder Points of Interest, die über Bilderkennung aktiv wird. Funktioniert in der Praxis mittels Augmented Reality so: Ein Gast macht mit seinem Smartphone ein Foto von einem beliebigem Objekt Seefeld. Die App analysiert mit Hilfe von google vision API die Bildinhalte. So es verfügbare Daten und Infos zum fotografierten Objekt gibt, werden diese nun eingeblendet. And the winner is: Hacktahon Hunters. Das Team bestehend aus Studierenden der TU München und der FH Ingolstadt verschrieb sich der Nutzung von Daten aus den Sozialen Netzwerken für kognitive Services und Analysen. Soll heißen: Die sozialen Netzwerke werden durchforstet nach Bildern mit Seefeld-Bezug und analysiert, wie die Bilder bewertet wurden (also positiv oder negativ). So lässt sich eine Landkarte von Seefeld mit besonders beliebten Hotspots erstellen – und diese mit zusätzlichen Infos aus Daten des TVB Seefeld erweitern. Zum Beispiel: Hier ist eine besonders beliebte Alm – und die nächste Bahn dorthin fährt in zehn Minuten und kostet pro Person soundso viel Euro.

Gratis, aber nicht umsonst
Und das war’s dann. War’s das? Mitnichten. Denn ein Hackathon ist ein Start-, kein Endpunkt. Dass in 24 Stunden kein fixfertiges, marktreifes Produkt entsteht, ist klar. Aber eine Idee, an die angeknüpft werden kann. So wie beim 1. Hacktahon letztes Jahr. Eines der teilnehmenden Teams entwickelte damals einen Chatbot-Prototypen (vom Standort- zum Eventchatbot). Die Österreich Werbung griff diese Idee gemeinsam mit dem Team nach dem Hackathon auf und ließ sich von diesem Team einen einsatzfähigen Chatbot entwickeln. Dieser kam erstmals bei den Österreichischen Tourismustagen in Linz (11.-12. September 2017) zur Anwendung: Wo und wann welcher Vortrag stattfindet, detaillierte Informationen zu den Speakern und Inhalten der Vorträge, aber auch zum Catering oder dem Wetter in Linz – Fragen wie diese beantworteten neben Sprachassistent Alexa im Foyer des Ars Electronica Centers eben auch der Event Bot Austria. Diesen setzten die Veranstalter zudem erstmalig bei der Anmeldung zu diesem neuen Veranstaltungsformat ein. Und was wird aus den Ideen des heurigen Hackathons? Abwarten. Denn: Daten sind der Rohstoff der Zukunft. Täglich werden neue Daten erzeugt und gesammelt – so auch im touristischen Umfeld. Ein echter Nutzen für Kunden und Unternehmen entsteht aber erst, wenn etwas mit diesen Daten gemacht wird. Im industriellen Umfeld geschieht das unter dem Schlagwort Industrie 4.0 bzw. Smart Production und Smart Factory, im touristischen Kontext schlägt sich Digitalisierung als etourism nieder. Wenn sich also kluge Köpfe zusammentun und ausprobieren, was mit den Daten, über die der TVB verfügt und die er gratis beim Hackathon zur Verfügung stellt, alles machbar wäre, kann das auch für Seefeld im Idealfall der Grundstein für ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung sein. Die teilnehmenden Unternehmen umgekehrt haben Zugriff auf einen umfassenden Datenpool und damit die Möglichkeit, unkompliziert zu entwickeln, zu tüfteln und an Prototypen zu arbeiten – und mit Blick auf die teilnehmenden Studierenden persönlichen Kontakt zu potenziellen künftigen MitarbeiterInnen zu knüpfen. Und die Studierenden profitieren von der „Arbeit am lebenden Objekt“ – also von der Theorie in die Praxis. Win-Win-4.0 sozusagen.

>>zum aktuellen Hackaton-Video 2018

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